Ein skandalöser Dichter – Gespräch mit Jean Genet
Von Hubert Fichte >>
Weiterlesen

  • 1910

Am 19. Dezember wird Jean Genet geboren.

 

  • 1911

Wenige Tage nachdem Camille Genet ihren Sohn der öffentlichen Fürsorge übergeben hat, gelangt er in die Obhut seiner zukünftigen Pflegeeltern. Eugenie und Charles Regnier, Handwerker aus der Gemeinde Alligny-en-Morvan, verpflichten sich, gegen ein kleines Monatsgehalt das Kind bis zum dreizehnten Lebensjahr aufzuziehen. >>

 

 

Weiterlesen

„Ich konnte mich nur den farbigen Unterdrückten anschließen, die gegen die Weißen revoltierten. Gegen alle Weißen. Ich bin vielleicht ein Schwarzer, der eine weiße oder rosa Hautfarbe hat.“

(Jean Genet)

Ich glaube fest daran, dass die Arbeit des Künstlers frei bleiben muss. Niemand kann ihm raten. Wenn wir politische Formeln akzeptieren, müssen wir zugeben, dass die Kunst den Linken wie den Rechten angehört. Das heißt, sie ist in einer Tradition verwurzelt und wird in einer Zukunft gespiegelt, oder möchte widergespiegelt werden in einer Zukunft, die sie in sehr geringem Ausmaß selbst geformt haben wird. Diese Ambivalenz künstlerischer Werke macht es in einem politischen Kampf schwierig … >> Weiterlesen

„Ein durch und durch originelles Kunstwerk ist immer eine Bedrohung. Im Versuch, unser Empfindungsvermögen zu ändern, unsere Sichtweise zu korrigieren, tut es unseren Gewohnheiten Gewalt an.“
(Jean Genet)

1970 wird Genet, sicherlich aufgrund der amerikanischen Rezeption der »Neger«, von den Black Panther in die USA eingeladen.

Aber aus diesem weißen Kopf, weiß aufgrund seiner Haut, seiner Haare, seiner Bartstoppeln, weiß, rosig und rund, die ganze Zeit über in ihrer Mitte, was sollten sie daraus machen? Einen Zeugen? Mein Körper zählte nicht: Er trug allein meinen runden und weißen Kopf. Es war noch viel simpler: die Schwarzen Panther hatten anstelle eines Kindes einen verlassenen Alten entdeckt, und dieser Greis war ein Weißer. Ich verwirklichte dort höchstwahrscheinlich einen uralten kindlichen Traum, in dem mir Fremde – mir im Grunde freilich ähnlicher als meine Landsleute – ein neues Leben schenken würden. Zu diesem kindlichen, beinahe unschuldigen Zustand verhalf mir die Sanftmut der Panther, eine Nachsicht, die mir nicht aus einem Privileg heraus zuwuchs, die ich vielmehr freudig entgegennahm als die, wie es mir schien, den Panthern wesenseigene Natur.  >> Weiterlesen

Als Genet im Frühling 1970 in die USA einreiste, betrachteten viele Schwarzafrikaner ihn als Verbündeten, weil einige Jahre zuvor sein Stück »Les Nègres« in New York gezeigt worden war. Die Black Panther Party lud ihn ein, an verschiedenen Universitäten in den USA Vorträge zu halten. >> Weiterlesen